Wirtschaftsgeschichte am Rathaus Steglitz

Steglitz 2013 2014 02Plakat der Lraftfahrzeugschau Steglitz (BBWA K 1/1/7704)Steglitz hatte sich in der heißen Industrialisierungsphase Berlins vor allem zu einem Vorort aus durch Villenkolonien und Wohngegenden entwickelt, produzierendes Gewerbe siedelte sich im Süden des Bezirks in der Nähe des Teltowkanals an. Für die in Steglitz lebenden Berliner wurde die Schloßstraße zunächst zu einer urbanen Hauptstraße, später zu einer exquisiten Einkaufsmeile von 1,7 km Länge, die vor allem für ihre Shopping-Center bekannt ist. 1970 wurde das Forum Steglitz als eines der ersten deutschen Einkaufscenter nach dem Shop-in-Shop-Prinzip errichtet.

Einzelhandelsgeschäfte mit zum Teil langer Tradition säumten die Straße, viele Traditionslinien allerdings wurden durch den Krieg abgerissen. Die 1925 gegründete "Fahrschule am Rathaus Steglitz" war für ihre eleganten weißen Limousinen der Marke Adler bekannt. Fahrschulbetreiber Hans Schöckel besaß auch einen Autosalon für Automobile der in der Obentrautstraße ansässigen Adlerwerke-Filiale. im selben Haus, in der Schloßstraße 34-35. Nach dem Krieg versuchte Schöckel erneut auf die Beine zu kommen – immerhin gab es 1951 schon 17.000 Fahrschüler in Berlin, 1957 waren es 28.000, die in 149 Fahrschulen auf ihre Führerscheinprüfung vorbereitet wurden. Doch in den 50er Jahren hatte sich der Trend zur Großfahrschule nicht durchsetzen können, trotz fliegender Straßenwerber und aggressiver Abwerbepolitik: Die meisten Fahrschulen besaßen ein oder zwei Fahrzeuge mit ebenso vielen Fahrlehrern. Schöckel erhielt kein Aufbaudarlehen und musste 1959 seinen Traum, die "Fahrschule am Rathaus Steglitz" wieder aufzubauen, begraben.

Trotz ihrer Bedeutung existieren kaum Unterlagen über viele ehemals bekannte Unternehmen. Krisen, Kriege und Besitzerwechsel haben das Schriftgut der Wirtschaft zerstreut oder gänzlich vernichtet. Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv hat die Aufgabe, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. Bitte geben Sie uns Hinweise auf solche Unterlagen (Festschriften, Werkszeitungen, Fotos, Patente, Jahresabschlüsse, Bilanzen oder Verträge).

 

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Tel.: 030 411 90 698, E-Mail: mail@bb-wa.de, www.bb-wa.de

Erschienen in: Steglitz kompakt 2012/2013, Verlag BfB Bestmedia for Berlin GmbH

Bilder: BBWA

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