Prenzlauer Berg-Mischung

prenzlberg01Werbemarke des Böhmischen Bauhauses (BBWA)Beginnend beim Rosenthaler, Prenzlauer und Königstädtischen Tor erfolgte die Bebauung der Barnim-Hochfläche entlang der Ausfallstraßen Schönhauser und Prenzlauer Allee sowie Greifswalder Straße. Die seit 1867 errichtete Güterbahn, die zwischen 1875 und 1891 auch Bahnhöfe für den Personenverkehr erhielt, bildete die Grenze des sogenannten wilhelminischen Rings, innerhalb dessen Mietskasernen dominierten, zu denen sich ab 1890 genossenschaftliche Reformbauten gesellten. Auf den noch freien Flächen baute die Stadt Berlin 1872 das IV. Gaswerk, an der Landsberger Allee ab 1878 den Vieh-und Schlachthof.

Der als Symbol des Bezirkes dienende Wasserturm mit Wohngeschossen entstand 1873 als Erweiterung eines bereits 1856 erbauten Turmes. Er blieb bis 1915 in Betrieb. Typisch für den Bezirk waren die Brauereien, denen der Barnim-Abhang geeignete Keller- und Kühlflächen bot. Die bekanntesten waren die Weißbierbrauerei von Landré (Straßburger Str.6-8), die von Schultheiß (Schönhauser Allee 36-39) und die Bötzow-Brauerei (Saarbrücker Str. Ecke Prenzlauer Allee). Kennzeichnend für die industrielle Struktur des Bezirks waren Mittel- und Kleinbetriebe der Lebensmittelbranche und der elektro- und metallverarbeitenden Industrie. Sie war der des Bezirks Kreuzberg vergleichbar. Über die Zerstörungen des 2. Weltkrieges und der Teilung der Stadt hielt sich diese Struktur bis 1989. Großbetriebe wurden verstaatlicht, so die Fabrik von Aschinger zum VEB Backwarenkombinat , der Vieh- und Schlachthof zum Fleischkombinat. Zwischen 1961 und 1967 entstand an der Storkower Straße entlang der S-Bahn ein Industrie- und Gewerbegebiet, in dem 6.000 Personen in verschiedenen Betrieben der Elektro- und Regelungstechnik und des Maschinen- und Anlagenbaus tätig waren.

Prenzlauer Berg 2012-2013 02Bötzow-Brauerei (Foto: BBWA)In der Schönhauser Allee 146 drehte Max Skladanowsky am 20.08.1892 seinen ersten Film. Während der ehemalige Exerzierplatz an der einsamen Pappel zum Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion umgewidmet wurde (1952), boten die noch unbebauten Flächen Platz für die Anlage karitativer Einrichtungen: so das städtische Obdachlosenasyl "Palme" an der Fröbelstraße, das St. Josefsheim für obdachlose Kinder in der Pappelallee, das Frauensiechenhaus in der Eberswalder Straße, das Männersiechenhaus in der Schönhauser Allee sowie jüdisches (Schönhauser Allee) und städtisches Altersheim (Fröbelstr.). Nach Abriss des Gaswerkes 1981 entstanden auf dem freigewordenen Gelände Wohnanlagen, ein Park, Krankenhaus- und Verwaltungsgebäude sowie ein Zeiss-Planetarium. Im alten Abspannwerk "Humboldt" in der Kopenhagener Str. 58 fand ab 2000 das Vitra Design Museum geeignete Ausstellungsflächen

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Gekürzt erschienen in: Prenzlauier Berg kompakt 2012/2013

Text: Dr. K. Dettmer

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