Stummfilme aus Weißensee

Weissensee 2011 12a2Kunstdruckerei Barnick (Bild: BBWA)Weißensee, dessen Ursprünge sich in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen lassen, glich noch bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts einer dörfliche Gemeinde. Dann jedoch profitierte der Ort – ab 1905 als zusammengeschlossene Gemeinde und schließlich ab 1920 als Teil des 18. Verwaltungsbezirks von Groß-Berlin – von der industriellen Entfaltung der Metropole Berlin. Industrielle Zentren wurden zum einen die 1898-1906 errichteten Ruthenbergschen Fabrikanlagen, die viele kleinere und mittlere Betriebe beherbergten. Zum anderen reihten sich entlang der im November 1908 eröffneten Industriebahn, die den Tegeler Hafen mit Friedrichsfelde verband, viele Fabrikanlagen aneinander.

Weißensee entwickelte sich zu einem Zentrum des Maschinen- und Apparatebaus, darunter etwa die aus Oberschöneweide verlegten NILES Werkzeugmaschinen AG, das größte regionale Industrieunternehmen, oder die Kugellagerfabrik Riebe. Prägend wurden aber auch große Lebensmittelbetriebe und Brauereien.

Weniger bekannt ist heute, dass Weißensee auch ein Zentrum der deutschen Stummfilmproduktion war, und dies zu einer Zeit, in der Deutschland zu den weltweit führenden Filmnationen zählte. Angelockt durch vergleichsweise niedrige Grundstückspreise begannen Produktionsfirmen noch vor dem Ersten Weltkrieg damit, sich in Weißensee anzusiedeln und insbesondere in der Franz-Joseph-Straße (heute Liebermannstraße) Ateliers zu errichten. Gesellschaften wie die Continental Kunstfilm, die Deutsche Vitascope oder die May-Film stellten hier zwischen 1913 und 1928 gut 50 Filme her. Bedeutendste Produktion war zweifellos das 1920 uraufgeführte expressionistische Werk "Das Cabinet des Dr. Caligari", das heute als einer der bekanntesten Klassiker des deutschen Stummfilms und Meilenstein der Filmgeschichte gilt.

Weissensee 2011 12bLouis Runde Beleuchtungsgegenstände 1913 (Bild: BBWA)Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv sammelt die Unterlagen zur Geschichte der Wirtschaft im Bezirk. Wenn Sie Hinweise auf Schriftgut der Wirtschaft geben können, sind Sie beim Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv an der richtigen Adresse.

Info:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv
Eichborndamm 167 • Haus 42 • 13403 Berlin
Telefon: 41 19 06 98
E-Mail: mail@bb-wa.de • www.bb-wa.de

Abgedruckt in: Weißensee kompakt 2011/2012, Verlag BfB Bestmedia4Berlin

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